Die Anlage und ihr Aufbau

1 | Wasserfassung

 

Die Wasserfassung des E-Werks Graf befindet sich unterhalb des Zusammenflusses von Rienz und Pragser Bach. Sie wurde gemeinsam mit der E-Werk-Genossenschaft Welsberg realisiert und liegt auf 1.112 m über dem Meeresspiegel.

Die neue Wasserfassung verfügt über einen Seiteneinlauf sowie drei Entsandungskammern zur Reinigung des Wassers. Dort wird der Wasserschwall reduziert und das Wasser gelangt in den Feinrechen, der sich im Rechenhaus befindet. Dank der nur 2 cm breiten Abstände gelangen keine Fische in die Druckrohrleitung, Müll und sonstiger Unrat werden zurückgehalten und getrennt entsorgt. Bevor das Wasser in die Druckrohrleitung tritt, durchläuft es das Beruhigungsbecken.

Die Wasserfassung ist auf maximal 6.000 l Wasser pro Sekunde ausgelegt, eine vorbildlich angelegte Fischtreppe ermöglicht die Fischpassierbarkeit. Sensoren messen und regeln automatisch die Einhaltung der Restwassermengen.

2 | Druckrohrleitung

 

Nachdem das Wasser das Beruhigungsbecken durchlaufen hat, gelangt es in die Druckrohrleitung. Diese überwindet auf 1,56 km einen Höhenunterschied von 22,66 m und verbindet die Druckhaltekammer der Wasserfassung mit dem Krafthaus in Welsberg. Der Durchmesser der Druckrohrleitung beträgt 2,4 m und hält einem Druck von PN6 stand. Die Rohrleitung besteht aus gewickelter Glasfaser – GFK-Rohre (Glasfaser verstärkte Kunststoff-Rohre). Der Vorteil dieses Materials liegt einerseits im günstigeren Preis und andererseits darin, dass sich Glasfaser durch einen sehr geringen Reibungsverlust auszeichnet. Die Wandstärke der Rohre beträgt mindestens 35,6 mm.

Die Druckrohrleitung durchquert im Bereich unterhalb der Wasserfassung unterirdisch die Rienz und folgt dann der Straße nach Welsberg. In Bereich der Rienz-Unterquerung wurde das Rohr mit Beton umhüllt und mindestens 1 m unter der Gewässersohle verlegt. Auf den letzten 150 m vor der Zentrale verläuft die Rohrleitung genau im Bereich der Straße.

3 | Krafthaus

 

Die Turbinen im Krafthaus der E-Werk Graf GmbH (vis-a-vis der alten Wasserfassung der E-Werk-Genossenschaft Welsberg) sind zwei gänzlich baugleiche Francisturbinen. Sie haben ein Schluckvermögen von je 3.000 l/s. Gemeinsam erreichen sie eine maximale Leistung von 1.100 kW und bringen es auf eine Jahresproduktion von 6,7 Mio. kWh. Der erzeugte Strom wird direkt in das Mittelspannungsnetz eingespeist. Das Krafthaus besteht aus Traforaum, Übergabekabine, Zählerraum, Maschinenhalle (Erdgeschoss: Turbinen, Generatoren, Steuerschränke, Kontrollraum; Untergeschoss: Zuleitung mit Absperrorganen, Bypassleitung, Rückgabeschacht) und Büroräumen.

 

Technische Daten

  • Produktion Stufe 1: 6.700.000 kWh/Jahr
    Produktion Stufe 2: 5.000.000 kWh/Jahr
  • Belieferung von ca. 3.000 Haushalten mit erneuerbarer Energie aus Wasserkraft
  • Einsparung von jährlich 1.170.000 l Heizöl
  • Geringerer Kohlendioxid-Ausstoß von 6.000 t/Jahr

4 | Übergabe

 

Das abgearbeitete Wasser gelangt ohne Druckverlust über eine Übergabestation in das Krafthaus „Welsberger Wiere“ der E-Werk Genossenschaft Welsberg und speist dort die Turbinen für die Stromproduktion. Sollten die Turbinen im E-Werk Graf ausfallen, ist dank eines Bypasses keine Beeinträchtigung des Betriebs der E-Werk-Genossenschaft Welsberg zu befürchten. Umgekehrt ist das E-Werk Graf auf einen sogenannten Inselbetrieb ausgelegt, der Welsberg Versorgungssicherheit bieten würde, falls es Probleme im Krafthaus der Genossenschaft geben sollte. Zusätzlich wurde ein Überlauf in die Rienz zur direkten Rückgabe errichtet.